03. Mai 2008

DGI-APW-Curriculum Implantatprothetik und Zahntechnik:
Ein Brückenschlag für die Zusammenarbeit

Seit diesem Jahr bietet die Deutsche Gesellschaft für Implantologie (DGI) zusammen mit der Akademie Praxis und Wissenschaft (APW) der DGZMK ein zertifiziertes Curriculum Implantatprothetik und Zahntechnik an. Es richtet sich an Zahnärzte und Zahntechniker. Mitte April fand das erste Modul im schwäbischen Winnenden statt.

Die Implantologie gehört zu den Wachstumsgebieten der modernen Zahnheilkunde. Sie entwickelt sich rasant, ist geprägt von kontinuierlichen Innovationen, neuen Werkstoffen und Techniken. Aus einer Notlösung für prothetische Problemfälle wurde eine etablierte Therapierichtung, die von Patienten zunehmend nachgefragt wird. Die Patienten sind auch zunehmend gut über diese moderne Form des Zahnersatzes informiert. Das belegt eine Umfrage unter 236 Patienten, die ein Absolvent des DGI-Studiengangs Master of Science in Oral Implantology für seine Master-Arbeit durchgeführt hat. Mehr als 70 Prozent der befragten Patienten würden sich bei Bedarf mit Implantaten versorgen lassen, jeder zweite kannte einen zufriedenen Implantatträger.

Experten sind sich darin einig, dass heute nicht nur die Funktionalität einer Implantatversorung zählt. Vielmehr steht das ästhetische Ergebnis gleichberechtigt neben dem funktionellen Resultat. Wissen und Können des Implantologen ist dabei eine Voraussetzung für den Erfolg. Die andere Voraussetzung sind Wissen und Können im Bereich der Prothetik – und hier sind Zahnarzt und Zahntechniker gefordert. Die Prothetik steht am Anfang und am Ende jeder implantologischen Tätigkeit und ist ein ganz wesentlicher Faktor der Ästhetik in der Implantologie. Die Minimalversorgung des zahnlosen Unterkiefers mit Kugelkopf-Verankerung auf zwei interforaminalen Implantaten und die Maximalversorgung beider Kiefer mit festsitzenden Sofortprovisorien und volkeramisch verblendeten, definitiven Suprastrukturen auf mehr als 6 Implantaten je Kiefer markieren die Endpunkte des prothetischen Behandlungsspektrums.

„Um angesichts der steigenden Anforderungen gute funktionelle und ästhetische Behandlungsergebnisse zu erzielen, sind Zahnarzt und Zahntechniker gemeinsam gefordert", erklärt DGI-Fortbildungsreferent Dr. Gerhard Iglhaut, Memmingen. Diese Erkenntnis ist der Grund für die jüngste Fortbildungsinitiative der DGI, die sich erstmals an Zahnärzte und Zahntechniker gemeinsam richtet: Im April 2008 startete das neue Curriculum Implantatprothetik und Zahntechnik, das die DGI zusammen mit der Akademie Praxis und Wissenschaft (APW) der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) anbietet. In sechs Wochenendkursen geben renommierte Dozenten einen fundierten Überblick über das aktuelle Spektrum der Implantatprothetik. Insgesamt werden in diesem Jahr vier Kursserien anlaufen, für die sich inzwischen über hundert Teilnehmer angemeldet haben.

„Hervorragende Ergebnisse lassen sich nur bei einer guten Kooperation zwischen Zahnarzt und Zahntechniker realisieren, die Schnittstellen müssen passen", sagt Iglhaut, der das Curriculum etabliert hat. Denn Zahntechniker und Zahnarzt stoßen bei der prothetischen Versorgung bald an Grenzen, wenn sie die verschiedenen Techniken und Werkstoffe nicht auf hohem Niveau beherrschen und ihre Zusammenarbeit optimieren.

„Angst nehmen, Sicherheit geben und dadurch Lust machen, Patienten mit implantatgetragenem Zahnersatz zu versorgen", das will Zahnarzt Horst Dieterich, der zusammen mit seinem Bruder, ZTM Jürgen Dieterich, Mitte April das erste Modul des neuen Curriculums in Winnenden bestritt. Dieterich: „Es wird im Bereich der Implantatprothetik vor allem für die Zahntechniker und für Kollegen die nicht unbedingt selbst implantieren, die aber implantatprothetische Arbeiten herstellen wollen, nur sehr wenig Fortbildung angeboten. Es gibt auch nur wenig Informationen, wie die Teamarbeit zwischen Zahnarzt und Zahntechniker sinnvoll strukturiert werden kann."

Diese Auffassung teilt ZTM Hans-Jürgen Stecher aus Wiedergeltingen, der zum Planungs- und Dozenten-Team des neuen Curriculums gehört. Auch Stecher setzt auf Teamgeist: „Wenn es bei der Kommunikation hapert, werden die verschiedenen Optionen und Möglichkeiten einer individuellen Versorgung oft nicht diskutiert und erörtert. Das kann dazu führen, dass Optionen unter den Tisch fallen, die eigentlich die bessere Lösung wären. Im Team können wir hier mehr erreichen als jeder für sich alleine."

„Wenn man sich im Kollegenkreis über Implantatarbeiten austauscht, zeigen sich eine Vielzahl von Ansätzen und Lösungsmöglichkeiten, aber es mangelt an umfangreichen Erfahrungen mit vielen Methoden", sagt Zahntechniker Jens Glauert aus Minden, der zusammen mit Dr. Ruven Kleine, Minden, das Curriculum absolviert. Glauert und Kleine wollen ihre Zusammenarbeit in der Zukunft vertiefen. „Bislang haben wir beide unabhängig voneinander unsere Erfahrungen in der Implantologie gesammelt", sagt Dr. Kleine, der auch schon das Curriculum Implantologie der DGI absolviert hat. „Nun wollen wir anfangen, uns aufeinander abzustimmen, denn dies ist bei allen höherwertigen prothetischen Versorgungen unabdingbar."

Die meisten Zahntechniker haben nur wenig Einblick in die Praxen. Sie sehen nicht die Situation am Behandlungsstuhl. Dabei sind die Anforderungen in den letzten Jahren deutlich gestiegen. „Vor allem deshalb", sagt Horst Dieterich, „weil wir mehr über die biologischen Zusammenhänge in der Implantatologie wissen und auch vor allem im ästhetischen Bereich inzwischen Implantate setzen können, die eine sehr naturgetreue Rekonstruktion der Ausgangssituation ermöglichen."
Die Wechselwirkung zwischen Weichgewebe, Knochen und prothetischer Rekonstruktion sind entscheidend für den ästhetischen Langzeiterfolg von implantatgetragenen Konstruktionen. „Der Wissenszuwachs über die Gewebe und das Gewebehandling ist enorm. Dies muss vermittelt werden", betont Dieterich.
Vom Blick über den Tellerrand profitieren beide Seiten: „Der Zahntechniker versteht nach dem Curriculum beispielsweise besser die biologisch-anatomischen Grundlagen einer implantatgetragenen Versorgung", sagt DGI-Fortbildungsreferent Dr. Iglhaut. „Umgekehrt lernt der Zahnarzt etwa die Grenzen der Materialien und Techniken kennen und erfährt, was aktuell möglich ist."

Die Grundlagen der Implantologie sowie Befundung, Diagnostik und Planung bilden daher den Schwerpunkt der ersten beiden Kursteile. Ausgehend vom projektierten Endergebnis gilt es beispielsweise abzuleiten, welche Maßnahmen ergriffen werden müssen, um ein bestimmtes Ergebnis zu realisieren.
Doch wie immer bei der DGI beschränkt sich die Fortbildung nicht nur auf „graue Theorie": Es finden Live-Operationen statt und die Zahntechniker setzen Implantate in Schweinekiefer. „Sie machen selbst die Erfahrung, wie sich das Implantat überhaupt in den Knochen einbringen lässt", sagt Dieterich. Hinzu komme die Erfahrung, dass diese Schraube nicht immer optimal gesetzt werden kann, weil die Struktur des Knochens dies verhindert. So kann der Zahntechniker naturgetreu nachvollziehen, warum er gefordert sein kann, ein suboptimal gesetztes Implantat durch eine entsprechende prothetischen Lösung optimal zu versorgen und so ein gutes Therapieergebnis zu erzielen.

ZTM Joo-Heon Lee aus Frankfurt hat das Curriculum gebucht, weil er für zahlreiche Mitglieder der DGI tätig ist. Sein Urteil: „Das Curriculum hält, was die DGI verspricht." Jens Glauert bewertet nach dem ersten Modul die Fallbeispiele besonders positiv. Dazu gehören auch solche, bei denen bestimmte Vorgehensweisen nicht funktioniert haben. Glauert: „Wenn Patienten einen bestimmten Anspruch haben, muss man abwägen können, ob dies auch technisch umsetzbar ist und welche Vorleistung erbracht werden müssen, um ein gutes funktionelles und ästhetisches Ergebnis zu erzielen."
Weitere Themen der Kurswochenenden sind Lösungskonzepte bei einem stark reduzierten und unbezahnten Kiefer sowie prothetische Suprakonstruktionen im teilbezahnten Kiefer.

Bei Patienten mit entsprechend hoher Lachlinie werden Defizite einer prothetischen Versorgung schnell sichtbar, die der Patient nicht oder nur ungern akzeptiert. Darum spielen auch ästhetische Aspekte einer Rekonstruktion – inklusive neuester CAD/CAM-Techniken – eine wichtige Rolle. „Implantologie und CAD/CAM sind in der Tat stark miteinander verknüpft", betont Stecher. Allerdings stecke, so der Zahntechnik-Meister weiter, in diesem Bereich vieles noch in der Entwicklungsphase. Stecher: „Wir sind in diesem Bereich erst am Anfang dessen, was machbar ist."
Der DGI ist es gelungen, wieder die führenden Köpfe aus den Bereichen Implantologie und Zahntechnik, aus Hochschule und Praxis zu verpflichten, die in den meisten Fällen auch als Team auftreten. Die Teilnehmer des Curriculums können also sicher sein, dass beide Seiten ausreichend zu Wort kommen. Iglhaut: „Wir wollen durch unser neues Angebot sowohl Zahnärzte als auch Zahntechniker dabei unterstützen, sich einen Vorsprung im wachsenden Wettbewerb zu sichern."

„Wenn Zahnarzt und Zahntechniker nicht den Schulterschluss und eine gute Kooperation bewerkstelligen", sagt Zahntechniker Glauert, „werden wir uns nicht gegen den ökonomischen Druck stemmen können, der auf Zahntechnik und Zahnheilkunde ausgeübt wird." Die Zahl der Problemfälle, für die eine Lösung gefunden werden muss, steigt. Glauert: „Wenn man diesen Anforderungen gewachsen ist, ist auch eine dem Aufwand entsprechende Preispolitik möglich."

Weitere Informationen:

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