02. November 2010

Tipps zum richtigen System für Starter in der Implantologie

„Wenn man eine anspruchsvolle Methode kann, dann macht sie auch Spaß" – so lautet ein Credo von Prof. Dr. Murat Yildirim, Düren, im DGI-Vorstand zuständig für Fortbildung.

Mit dieser Überzeugung stellt Yildirim nicht nur anspruchsvolle Bausteine für das Curriculum der Fachgesellschaft zusammen, sondern motiviert auch die Teilnehmer seiner Kurse. Das andere Credo Yildirims: „Man muss die unterschiedlichen Implantat-Systeme, die der Markt anbietet, von Anfang an kennenlernen und ausprobieren." Vermutlich finde zwar jeder Starter in der Implantologie rasch „sein" Key-System – dennoch solle man alle wichtigen Systeme einmal gesehen haben. „Je breiter die Implantologie eingesetzt wird", so Professor Yildirim bei einem der DGI-Kurse in diesem Herbst, „um so öfter wird man Patienten mit bereits gesetzten Implantaten, vielleicht auch mit Problemen rund um das Implantat sehen – und dann sollte man wissen, mit welchem System man es hier zu tun hat."

Deshalb gibt es im DGI-Curriculum zu Beginn immer einen Baustein mit einer ausführlichen System-Kunde. Hier werden die generellen Unterschiede vorgestellt. Das Spektrum reicht von Oberflächenbesonderheiten über Systeme mit platform-switching-Konzept bis hin zu speziellen Aspekten, wie etwa einer reduzierten Größe, oder auch Systemen aus Keramik. All das gibt es nicht nur in der Theorie: An Probierplätzen können die Kursteilnehmer rund fünf verschiedene Systeme auch praktisch ausprobieren und ein Gefühl für die Unterschiede entwickeln.

5 Kernpunkte für Einsteiger

Einsteigern in die Implantologie empfiehlt das DGI-Vorstandsmitglied 5 Kernpunkte, nach denen man bei der Auswahl des ersten eigenen Systems vorgehen sollte:

  • Ein schon länger auf dem Markt befindliches System wäre zu bevorzugen, weil hier bereits vielfältige Erfahrungen vorliegen – und weil man davon ausgehen darf, dass auch 10 oder 20 Jahre später noch Einzelteile erhältlich sind, wenn man seine Versorgung möglicherweise aktualisieren muss.
  • Man sollte mit einem System beginnen, bei dem man am Anfang mit möglichst wenig Komponenten zurechtkommen und Erfahrungen sammeln kann – wenn man das System beherrscht, kann man die Anzahl der Komponenten ausweiten.
  • Hilfreich ist ein System eines solchen Unternehmens, das einen guten und persönlichen Service bietet, weil man in solchen Fällen auch eine „Ratgeber-Assistenz" bei ersten Implantationen angeboten bekommt.
  • Ungeeignet für den Start sind zumeist solche Systeme, die Besonderheiten aufweisen wie Größenreduzierung oder ungewöhnliche Positionierung oder auch besonders schräg stehende Abutments, weil sie hinsichtlich der Wirkungen und Nebenwirkungen selbst für erfahrene Kollegen eine Herauforderung sind.
  • Sehr hilfreich ist das Netzwerk implantologisch erfahrener Kollegen, bei denen man nicht nur nach Absprache hospitieren kann, sondern auch persönliche Erfahrungen mit Implantatsystemen erhält.

„Hilfreich ist es zudem, bei Fortbildungsvorträgen darauf zu achten, welche Systeme die Profis für welche Aufgabenstellung bevorzugen", sagt Professor Yildirim und verweist beispielsweise auf die bevorstehende Jahrestagung der DGI im November in Hamburg, die ein dickes „Fortbildungsbuch" biete. Perfekt ergänzt werde das wissenschaftliche Programm von einer eigenständigen Implantologie-Messe („Implant expo"), auf der so gut wie alle namhaften Systemhersteller präsent seien und für Rückfragen zur Verfügung stünden. Startern empfiehlt das DGI-Vorstandsmitglied zudem, die erfahrenen Kollegen – bei Kongress-Präsentationen oder auch Praxis-Hospitationen – sehr genau dabei zu beobachten, wie sie mit Knochen und Parodontalgewebe umgehen, dies solle man gut analysieren und bei der Entwicklung eines eigenen Konzeptes mit einbeziehen.

„Wenn man schließlich ein System gefunden hat, mit dem man gut zurecht kommt, dann macht das nicht nur Spaß, sondern auch sicher im Umgang", so Yildirim. „Es ist nicht zwingend nötig, ständig das neueste System zu haben, sondern für den Patienten ist es das Beste, der Behandler kennt sich mit dem eigenen gut aus und kann sein Verhalten einschätzen wie beim Auto, das man schon viele Jahre fährt. Es ist diese Sicherheit, mit der man implantiert, die einem selbst gut tut – und die sich auf den Patienten überträgt."